Ausgrenzung

Tratschen und Smalltalk. Wie es uns so geht im Alltag und so weiter ...

Ausgrenzung

Beitragvon Bippos Papi » Mo 7. Mär 2011, 09:20

Ein Thema, auf das ich immer wieder stoße, ist das der Ausgrenzung. Wir haben ein Riesenglück, dass wir im Integrations-Kindergarten damit kein Problem haben. Die Betreuerinnen dort gehen so liebevoll mit den Kindern um und wirken auf die Nicht-Integrations-Kinder ein, so dass Bippo voll eingebunden und auch in einem gewissen Rahmen unter den Kindern beliebt ist. Er ist dort eben so, wie er ist.

Kaum sind wir aber in der "battlezone" Kinderspielplatz, passiert die Ausgrenzung binnen Sekunden. Jesper Juul ("Das kompetente Kind") schreibt ja, dass Kinder kooperieren, indem sie kopieren. Die Kleinen am Spielplatz tun ja auch nix anderes als ihnen ihre Eltern und Lehrer tagtäglich vorspielen. Mir scheint es, als würde Bippo die zahlreichen Sticheleien und "Bäh, ist der grauslich/komisch/deppert" Rufe der anderen gar nicht registrieren und unbekümmert weiterspielen.

Aber - um ehrlich zu sein - letztlich weiß ich nicht, was er davon versteht oder nicht, da er es nicht kommunizieren oder kommentieren kann.

Es scheint gängige Realität zu sein, dass die Ausgrenzung nur dann vermieden werden kann, wenn es engagierte und einfühlsame Pädagog/inn/en gibt, mit denen die Kinder im Juul'schen Sinn kooperieren, was meint Ihr?
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Re: Ausgrenzung

Beitragvon claudia39 » Do 10. Mär 2011, 09:51

Bei uns ist die Ausgrenzung sogar einen Schritt weitergegangen. Es war bei uns in der eigenen Familie der Fall.
O. Grosmutter hat ihn, als er halt schwierig wurde, irgendwann völlig ignoriert. Weil er halt nicht gegrüßt hat und weil er halt sonst eben "verhaltenskreativ" war.
Ständig wurde an ihm herungenörgelt und wenn er geweint hat, dann war die Aussage "Was hast, hast du dir weh getan? Nein? Dann hör auf zu weinen." oder Er weint nur weil er sich durchsetzen will. etc. etc. etc.
Ich bin dann mit ihm nicht mehr zu den Großeltern gefahren. Weil ich wusste, dass es ihm dort nicht gut geht. Er kann nun mal nicht still in einer Ecke sitzetn.

Im Kiga geht es ihm auch gut. Und am Spielplatz gehts größtenteils mittlerweile auch relativ gut. Ich schreib das halt der Therapie zu und auch dem Verständnis für ihn von meiner Seite auch.
Vor einem Jahr wusste ich ja auch noch nicht was mit ihm los ist. Und hab mir oft gedacht, "so hab ich mir das mit einem Kind nicht vorgestellt".
Es ist weiterhin immer ein auf und ab.
Man ist halt oft bei anderen Eltern im "Erklärungsnotstand".
Ich hab aber die Erfahrung gemacht, je offener auch mit anderen umgeht, auch mit anderen Kindern umsomehr Verständnis oder zumindest ein wenig mehr Toleranz ist da.
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Re: Ausgrenzung

Beitragvon Bippos Papi » Do 10. Mär 2011, 10:51

Dass das innerhalb der Familie passiert, ist schon heftig! Das ist genau das Menschenbild, das derzeit herrscht: Die Kinder müssen in erster Linie funktionieren, und nur dann werden sie angenommen. Haben die Großeltern dir die Chance gegeben, zu erklären, was eigentlich das Problem ist?

Wir sind da in einer glücklicheren Lage, wir haben zwar nur eine kleine Familie, aber Bippos Großmutter liebt ihn sehr und ist auch eine unschätzbare Hilfe bei seiner Betreuung und vieles wäre ohne sie gar nicht möglich.

Du hast recht, auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass es mehr Verständnis gibt, wenn man offen darüber spricht. Nur bei den anderen Kindern hab ich noch nicht den Draht gefunden, wie ich das rüberbringe. Unsere Betreuerinnen im Kindergarten haben das sehr gut hingekriegt, da ist der Umgang zwischen den Kindern sehr tolerant.
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Re: Ausgrenzung

Beitragvon claudia39 » Fr 11. Mär 2011, 10:21

Hallo Peter!

Du hast recht mit dem, dass die Ausgrenzung in der Familie schon sehr schlimm ist.
Nachdem wir herausgefunden haben was mit Oliver los ist, haben wir uns natürlich mit den Großeltern zusammengesetzt und haben ihnen erklärt was Sache ist.
Die Oma von Oliver hat sich auch entschuldigt für ihr Verhalten. Es tat ihr wahnsinnig leid und hat eben nochmal erklärt, dass sie mit seinem Verhalten nicht zurecht kam.
Das war zwar nett zu hören, ändert an der Tatsache aber nix, dass Oliver diese Ausgrenzung offensichtlich mitbekommen hat. Er geht ihr auch heute noch nicht richtig zu. Und das liegt mit Sicherheit auch daran, dass das Engagement der Großeltern halt nicht übermäßig ist.
Schlimmer wars für mich zu sehen wie mein Kind behandelt wird. Das hat mich oft sehr traurig gemacht, weil ich ja weiss wie lieb er grundsätzlich ist. Und wie viel Liebe dieses Kind in sich trägt und auch zeigt wenn man ihn auch mit Liebe und Aufmerksamkeit entgegentritt.
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Re: Ausgrenzung

Beitragvon Rita » Fr 11. Mär 2011, 18:58

Hallo Peter, hallo Claudia, Diskriminierung gibt es leider überall, wenn jemand ein bißchen anders ist. Ich erlebe auch diese Form der Diskriminierung, weil man Julian zu mühsam findet :( . Ich habe zum Glück paar wenige gute Freunde, die uns beistehen und Verständnis zeigen.
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Re: Ausgrenzung

Beitragvon Bippos Papi » Sa 12. Mär 2011, 21:11

Hallo Claudia,

nun, wenigstens hat sie sich entschuldigt, immerhin gab es eine Aussprache, obwohl der Schaden ja nun angerichtet ist. Ich bin mir sicher, dass Oliver diese Ausgrenzung wahrgenommen hat, wenn er jetzt so reagiert. Ich hab bei meinem Kind nicht immer die Sicherheit, zu wissen, was er davon versteht und was nicht. Aber ich bin mir sehr sicher, dass es wesentlich mehr ist, als es seine Reaktion zeigen lässt. Auch das macht mich oft traurig.

@ Rita: Du hast natürlich recht, dass es die Ausgrenzung überall gibt. Die Frage ist nur, wie kann man ihr begegnen. Wenn ich auf der Straße den Volksaufklärer spielen muss, um den angfressenen Zeitgenossen zu erklären, warum mein Kind so ist, wie es ist, dann grenze ich es ja auch selber schon aus. Das tut auch weh. Deswegen lasse ich das meistens auch und ignoriere die Leute. Du hast Glück, dass dir deine Freunde beistehen, dann hast du bei ihnen wenigstens nicht den selben Erklärungsbedarf. Bei uns ist das zwar auch so, dass die Freunde zwar sehr verständnisvoll sind, aber eben andere Bedürfnisse haben. Wenn wir uns, was immer seltener wird, - treffen, dann müssen sie ihre Kinder, die ein wenig älter sind als unsere, vorher extra präparieren, dass Bippo eben nicht so reagiert wie andere Kinder. Es ist eh das Äußerste und einzige was man wohl machen kann, aber die Dinge sind eben so, wie sie sind.
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Re: Ausgrenzung

Beitragvon claudia39 » Mi 16. Mär 2011, 22:11

Hallo Peter!

Du hast Recht. Der Schaden ist nun mal angerichtet. Aber ich glaube wenn die Großeltern ein bisserl mehr versuchen würden auf ihn einzugehen, würde Oliver das Ganze sicher bald vergessen.
Aber wenn man schon gesagt hat, dass man ihn nicht festhalten darf, weil es ihm weh tut bzw er es so empfindet und es wird bei der Begrüßung immer wieder gemacht, da könnt einem wie man so schön sagt "das geimpfte aufgehen!"
Ich will natürlich wiederum niemanden Maßregeln damit die Stimmung beim Besuch nicht gleich kippt, und so hoffe ich von mal zu mal, dass auf den kleinen Kerl Rücksicht genommen wird.
Hoffen darf man ja :roll:

Ich glaub dir auch, dass es dich traurig macht, weil du Bippo oft nicht verstehst. Ich denke auch, dass man ganz oft wütend ist über die Machtlosigkeit, die Situation, so wie sie ist, nicht ändern zu können.
Man will ja für seine Kinder nur das Beste und hat aber oft keinen wirklichen Zugang zu ihnen.
Bei uns bessert sich die Situation zwar, aber ich stoße oft genug an meine Grenzen. Dabei hab ich ja das Glück, dass mein Kind mit mir sprechen kann. Ich denke, dass ihr es schon wahnsinnig schwer habt einfach nur herauszufinden wie Bippo sich fühlt.
Ich habe großen Respekt vor euch und dann noch die Kraft und die Zeit zu finden ein Forum wie dieses aufzubauen bzw zu betreiben, Informationen für andere zusammenzutragen, anderen Eltern Mut und Trost zuzusprechen finde ich wirklich
GROSSARTIG!!!!!!!!!!!!!!!!!

Ich bin wirklich froh, dass ich dieses Forum gefunden hab. Es tut mir nämlich wirklich gut


l g. Claudia
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Re: Ausgrenzung

Beitragvon Libelle » Do 17. Mär 2011, 18:22

Das freut uns wirklich! "Normale" Eltern können uns nicht verstehen, und da war die Idee uns zu vernetzen mit anderen Eltern, die ähnliche Probleme haben.
Eigentlich war es die Idee der Ergo, etwas zu machen, weil es zu wenig gibt. Und da ist die Idee von einem Forum entstanden :)
Nun kann ich auch bestätigen, dass dem kleinen P. immer besser geht, das wird auch mit Oliver passieren.
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Re: Ausgrenzung

Beitragvon Bippos Papi » Fr 18. Mär 2011, 11:28

Hallo Claudia,

so viel Lob tut natürlich gut :D :D :D

Und es ist ja genau so, dass es eine Eigeninitiative von uns ist, weil wir das Gefühl hatten, da fehlt etwas und wir können das schaffen. Beiträge wie deiner bestätigen uns natürlich sehr darin!

Aber zu dem Thema der Ausgrenzung. Ich kann mir die Situation gut vorstellen - Begrüßung ("Hallo, wie geht es euch" - Umarmung, Bussi, Bussi) - Oliver wehrt sich - das wird natürlich ignoriert. Jetzt wäre der Satz "Ich möchte bitte daran erinnern, dass Oliver das Problem mit der Hypersensibilität hat und ihm die Umarmungen einfach weh tun!". Wunderbar, damit hättest du dann gleich 2 Sachen auf einmal geschafft: Die Stimmung ist nach maximal 30 Sekunden im Keller und Oliver fühlt sich wahrscheinlich ausgegrenzt, weil wieder einmal sein Problem ins Gespräch gekommen ist. Das ist doch genau das Dilemma, das ich auch immer wieder empfinde - entweder erdulden oder diese Situation erzeugen.

lg Peter
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Re: Ausgrenzung

Beitragvon claudia39 » Mo 21. Mär 2011, 13:23

Lieber Peter!

Nun, da hast du recht. Aber ich weiss gar nicht ob Oliver richtig bewusst ist, dass er ein Problem hat. Ich red natürlich manchmal mit ihm darüber, dass er wenn er sich über was ärgert nicht immer gleich schreien muss und er mit mir ganz normal reden kann. Oder ich versuche bei seinen Schreianfällen beruhigend auf ihn einzuwirken. Manchmal sagt er mir von selbst so wie letzten Montag, dass er keinen guten Tag hat, was mir natürlich immens weiterhilft, weil ich mich dann mit der Freizeitgestaltung nach ihm richten kann. Wir bleiben dann einfach im Garten und gehen nicht auf einen Spielplatz oder dgl.
Da ist es ein grosser Vorteil, dass er mir sagen kann wie es ihm geht.
Das hat er sonst nie gemacht. Bin richtig stolz auf meinen kleinen Kerl.
Aber was mich so ärgert ist , dass ein "N E I N!!!!!!!!" von Kindern entweder nicht wahrgenommen wird oder es nicht zählt.
Oliver wehrt sich ja gegen dieses Festhalten mit: Nein nicht festhalten!!!!!! oder er quietscht und sagt nein.
Ich versteh halt nicht warum Erwachsene Menschen , und damit meine ich nicht nur die Verwandtschaft, sondern allgemein,Kinder offensichtlich nicht ernst nehmen.
Diese Ignoranz der Bedürfnisse der Kinder ist wirklich zum kotzen oder nicht???

Lg. Claudia
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