Experiment Musikschule Wien

Tratschen und Smalltalk. Wie es uns so geht im Alltag und so weiter ...

Experiment Musikschule Wien

Beitragvon Libelle » Di 23. Feb 2016, 12:48

Als P. noch mit seinen drei Jahren in seiner Welt eingesperrt war und von Stereotypien geprägt war, hat uns unsere Kinderarzt Musiktherapie verordnet. Wir hatten das Glück im ersten Jahr einen Platz in der neurologischen Kinderambulanz zu bekommen und von einer sehr motivierten jungen Studentin der Musiktherapie betreut zu werden. Die Erfolge waren phänomenal, schon nach der ersten Stunde konnte er ein Wort sprechen. Die junge Studentin hat ihn von seiner Welt Stück für Stück rausgebracht und er hörte langsam mit den Stereotypien auf. Die Koordinatorin für Musiktherapie hatte uns damals empfohlen, die Musiktherapie für P. fortzusetzen, sie würde ihn enorm unterstützen.

Über den Musiktherapietherapieverband bin ich auf Frau Mag. Ursula Tripamer gestoßen, die Erfahrung mit Kindern und Autismus hatte. Frau Mag. Tripamer hat mich am Anfang gefragt, was ich mir von einer solchen Therapie erwarte : Ein Stück Lebensqualität für das Kind und wenn möglich die Kommunikation zu fördern waren meine Worte.

Sehr respektvoll und professionell hat ihn Frau Mag. Tripamer die nächsten vier Jahre betreut, das Kind fand durch die Musik eine Möglichkeit zu kommunizieren, es war der Ausgleich in schlechten und turbulenten Tagen. Als mir Frau Mag. Tripamer letzten Sommer mitteilte, dass alle Ziele erreicht wurden und momentan keine Therapie nötig ist, war ich sehr traurig. Wie würde es ohne seine Musikstunde weiterlaufen? P. hatte trotz seines frühkinlichen Autismus das Sprechen und Kommunizieren gelernt...

Als mir eine Musikprofessorin erzählte, dass es in den Musikschulen Wien eigene Kontingent für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen gibt, wurde ich sofort hellhörig... Ich habe mich an Herrn Dr. Weber, zuständig für die Einteilung der Kinder und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen, gewendet , der mir in kürzester Zeit unbürokratisch einen Platz und eine geniale Klavierprofessorin für mein Kind gefunden hat.
Seine Professorin Frau Mag. Margarethe Babinsky (selber eine sehr renommierte Klavierspielerin) hat sich bereit erklärt mein Kind zu unterrichten.

Und so wurde ein neues Kapitel aufgemacht:
P. lernt Klavier voller Begeisterung mit Frau Mag. Babinsky, die Chemie zwischen den beiden funktioniert fantastisch und er hat in der Zwischenzeit sein eigenes Klavier.
Gestern durfte er mit den anderen Kindern Klavier im Haus Hofmannsthal beim Elternabend spielen.

Wir waren alle so stolz auf und P. war so glücklich, dass er dabei sein und spielen durfte.

Ein riesiges Danke an Herrn Dr. Michael Weber, den Direktor Herrn Dir. Mag. Lammiman von der Musikschule Kleistgasse und natürlich an Frau Mag. Margarethe Babinsky, die P. unbürokratisch so unterstützt haben!



Das Experiment "Musikschule" , die erlebte Integration ist gelungen!
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Re: Experiment Musikschule Wien

Beitragvon michie » Di 23. Feb 2016, 17:41

Wie wunderschön, diese Zeilen zu lesen! Ich freue mich irrsinnig für und mit euch!
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Re: Experiment Musikschule Wien

Beitragvon Libelle » Di 23. Feb 2016, 17:52

Danke Michie! Heute schwebt P. immer noch auf Wolke sieben ! Es kann so viel weiter gehen, wenn die Gesellschaft frei von Vorurteilen ist.
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Re: Experiment Musikschule Wien

Beitragvon michie » Fr 26. Feb 2016, 03:06

P. kann da auch ganz stolz auf sich sein! Ein Vorspielabend! Das ist mit viel Aufregung und Lampenfieber verbunden. Wenn man das einmal selbst erlebt hat, dann ist man um eine wichtige Erfahrung reifer! Musik ist außerdem eine sehr schöne Möglichkeit sich auszudrücken. Hat P. schon früh Interesse an Klavieren gezeigt?

Das Thema Inklusion ist schon sehr heikel, finde ich. Es wäre so vieles einfacher, wenn es in unserer Gesellschaft nicht immer zuerst darum gehen würde, wer einmal mehr Geld scheffelt, sonder vielmehr darum, miteinander zu leben und füreinander da zu sein. "Neurotypische" Kinder können meiner Meinung nach von Kindern mit besonderen Bedürfnissen immerhin auch etwas lernen.

Es wäre schön, wenn dieses Kontingent auch die Musikschulen in anderen Bundesländern zur Verfügung stellen würden.
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Re: Experiment Musikschule Wien

Beitragvon Libelle » So 28. Feb 2016, 16:26

Michie, danke für die lieben Worte! Interesse an Musik hat P. immer gezeigt, Klavier lernen war ein Experiment. Als ich mit Dr. Weber über P. sprach und er mich nach seinen Vorlieben fragte, antwortete ich, dass er Tasteninstrumente besonders interessant fand. Dr. Weber hat sich die Mühe gemacht, die Musikprofessoren zu fragen, welche ein autistischen Kind unterrichten wollten. Dann hat mich Frau Mag. Babinsky angerufen :D !
In seiner Schulklasse hat Musikunterricht nie funktioniert, die Kinder haben falsch gespielt und er hat nur geschriehen . P. hat ein sehr gutes musikalisches Ohr, es hat ihm anscheinend weh getan, die anderen Kinder falsch spielen zu hören...
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Re: Experiment Musikschule Wien

Beitragvon Wari » Do 3. Mär 2016, 10:38

Ich freue mich auch auf P., dass er ein sehr gutes musikalisches Ohr hat. Viel Spass für P. !
Viele Grüsse,
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Re: Experiment Musikschule Wien

Beitragvon michie » Do 3. Mär 2016, 13:27

Libelle, auch wenn es für P. manchmal sicher schmerzhaft ist, wenn jemand anderes falsch spielt - es ist doch wirklich wunderbar, dass er diese musikalische Begabung hat. Das bringt ihm bestimmt auch für das Selbstvertrauen sehr viel, und vielleicht sogar die so wertvolle Anerkennung anderer Kinder? Wir bekommen morgen die schriftliche Diagnose, und ich bin sehr nervös deshalb. Glg, michie
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Re: Experiment Musikschule Wien

Beitragvon Wari » Fr 4. Mär 2016, 10:13

Hallo Michie,
wie lautet eure schriftliche Diagnoze?
Viele Grüsse,
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Re: Experiment Musikschule Wien

Beitragvon Libelle » Fr 4. Mär 2016, 18:08

Liebe Wari, liebe Michie, danke für die lieben Worte. Vorgestern waren wir alle ganz baff. Bippos Papi hat Musiknoten vom Popsong vom Internet heruntergeladen und im Printer gedruckt, es waren die Noten von einem bekannten Popsong . B. nahm die gedruckten Noten und plötzlich spielte er sie am Keyboard :o ! Ich wusste nicht, dass mit Noten spielen kann. Er spielte das Lied zwar nicht perfekt, aber man konnte sofort erkennen was er spielt... Seine Musikprofessorin hat erst vor einem Monat begonnen, ihm die Noten beizubringen.
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Re: Experiment Musikschule Wien

Beitragvon Bippos Papi » Fr 4. Mär 2016, 19:46

Genaugenommen war es eben kein bekannter Song, er hatte nur ein sehr melodiöses Intro. Deshalb hab ich die Noten ausgedruckt, um selber ein wenig zu üben. Ob er die Noten gelesen hat oder nur nach Gehör nachgespielt hat, kann ich nicht sagen, verblüffend war das allemal.
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