Nahrungsmittelunverträglichkeit - Wahrnehmungsstörungen

Der Zusammenhang zwischen neurologischen Störungen und der Ernährung wird aktuell stark diskutiert. Es gibt immer wieder Studien, die das belegen und zahlreiche Erfahrungen von Eltern, die das an ihren Kindern beobachten. Es gibt aber auch noch Zweifel daran. Grund genug, das ausführlich zu diskutieren.

Re: Nahrungsmittelunverträglichkeit - Wahrnehmungsstörungen

Beitragvon sunny » Di 14. Okt 2014, 16:36

Hallo Emmi!

Vielen Dank für deine Info. Ich hab bei meiner Tochter auch manchmal das Gefühl, dass sie "wie betrunken" ist.
Würde gerne etwas an der Ernährung umstellen. nur: wie schaut eine solche Diät aus? Gluten und Soja sind mir ja noch ein Begriff, nur was ist Casein? Und wo sind Soja und Gluten enthalten? Hast du vielleicht Tips, wo man sich darüber informieren kann?
Danke und liebe Grüße,
Sunny
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Re: Nahrungsmittelunverträglichkeit - Wahrnehmungsstörungen

Beitragvon Nora » Di 14. Okt 2014, 20:16

Wirklich sehr interessant!
Ich habe vor kurzem begonnen zu beobachten, dass mein Sohn nach einer süssen Hauptmahlzeit im Hort sehr unausgeglichen ist. Ich habe mit ihm vereinbart, mal zur Probe, zu bitten, ob er da ein anderes Essen haben kann. Er fragte mich, warum. Da habe ich ihm erklärt, dass es Leute gibt, die glauben dass zornige Kinder Zucker schlecht vertragen und deshalb manchmal so zornig sind. Da hat er mich angelächelt und gemeint, wir sollten das mal probieren.
Ich habe diesbezüglich von anderer Seite einen Buchtipp bekommen (geht eigentlich um Ernährung bei ADHS) und bekomme das Buch jetzt geborgt. Werde euch dann berichten!
Nora mit Ben (2007) und Cat (2010)
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Re: Nahrungsmittelunverträglichkeit - Wahrnehmungsstörungen

Beitragvon emmi » Mi 15. Okt 2014, 08:05

Hallo,

Casein ist das Milcheiweiß. Es gibt zwar schon jede Menge Lactosefreie Milch (=Milchzuckerfrei). Das Casein ist in jedem Milchprodukt ob lactosefrei oder nicht.

Ich habe mir beim Kongress das Buch "Die gluten- und kaseinfreie Ernährung für Menschen mit Autismus, ADS/ADHS oder Allergien" von Susanne Strasser gekauft (ISBN 978-3-200-02286-7) und bin davon sehr begeistert. Darin beschreibt sich sehr verständlich worauf man achten soll, wo man diese Bestandteile überall findet (man glaubt gar nicht wo überall!!!) und vorallem sind darin sehr praxisbezogene Rezepte.
Sie erklärt auch warum Soja Teil der Diät sein sollte.
Fr. Strasser ist Bildungswissenschaftlerin und arbeitet als Referentin und Beraterin in der Elternbildung, als Persönlichkeits- und Selbstbestimmungstrainerin sowie in der Beratung und Therapie für Menschen mit autistischer Wahrnehmung. Sie ist selbst Mutter einer autistischen Tochter.

Ja das mit dem Zucker bzw. Kohlehydrate hat scheinbar auch eine Berechtigung. Die von mir erwähnten 3 Mütter ernähren Ihre Kinder kohlehydratefrei (GAPS-Diät) haben aber zuerst mit der o.a. Casein- und Glutenfreien Diät begonnen.

Wir selbst werden im Jänner/Februar den Termin mit Fr. Esser wahrnehmen um T. erst einmal biomedizinisch zu untersuchen (Urin, Stuhl, Blut). Dr. Mumper (USA) hat mir nämlich am Kongress gesagt, dass man die Peptide wenn man die Diät schon macht, nicht mehr nachweisen kann. Und mich würde es einfach vorher interessieren. Auch wenn das Ergebnis negativ sein sollte, werden wir die Diät vorauss. trotzdem zumindest für einen 3 monatigen Zeitraum machen. Denn alle Experten haben gemeint, man kann nicht alles labortechnisch nachweisen und nach einem gewissen Zeitraum der Diät, merkt man ob es Verbesserungen gibt (Anfangs sind auch Verschlechterungen möglich - wg. Entzugserscheinungen!!). Bei uns hat sich ja auch schon durch die fructosearme (das hat bei uns nichts mit Autismus zu tun - familiärbedingt) und Kuhmilchfrei (stattdessen Schafmilch) einiges verbessert.

Spannendes Thema :-)
lg
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Re: Nahrungsmittelunverträglichkeit - Wahrnehmungsstörungen

Beitragvon aurora » Mi 15. Okt 2014, 20:13

Es ist halt auch ein sehr mühseliges Thema...
Ich hab gestern mit meinem Sohn darüber gesprochen, ob wir das mal versuchen sollen. Er hat gleich entsetzt abgelehnt. Er meinte, dass er sich nur dann nicht konzentrieren kann, wenn das Thema ihn nicht interessiert ;-)
Essen ist bei ihm so ein entspanntes Thema. Er isst fast alles und mit Genuss. Ich koche sehr abwechslungsreich und es freut mich so, wenn er dann begeistert sagt "Mama, das schmeckt so gut!" (im Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder, der fast gar nichts und vor allem kein Gemüse isst...). Es würde uns wirklich sehr schwer fallen, seine Ernährung so um zu stellen. Vor allem Gluten ist ja fast überall drinnen...
Eine meiner besten Freundinnen ist Ernährungswissenschaftlerin und Lebensmitteltechnologin (Spezialgebiet: glutenfreie Ernährung). Sie sagt, dass da zwar schon viel geforscht wird, aber dass das alles noch sehr vage und unsicher ist.
Mal sehen. Ich will mich mal wegen Rezepten schlau machen. Vielleicht versuchen wir es mal.... Heute hat er es schon mal abgelehnt, seine Cornflakes mit Reismilch zu essen...
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Re: Nahrungsmittelunverträglichkeit - Wahrnehmungsstörungen

Beitragvon emmi » Do 16. Okt 2014, 09:02

Liebe Aurora,

mühsam - definitiv. Da gebe ich dir recht.
Vorallem ist unser Leben mit unseren Kids sowieso schon schwierig, da wünscht man sich als Mama nicht auch noch eine zusätzliche Aufgabe.

Wir sollten als Eltern nie den Hausverstand und das Bauchgefühl verlieren.

Interessant ist, dass wir T. vor einem Jahr kinesiologisch ausgetestet haben. Dabei ist u.a. rausgekommen dass er Kuhmilcheiweiß nicht verträgt, Schafmilch aber schon. Das war ganz einfach umzusetzten und hat schon viel gebracht.

Ich weiß auch noch nicht ob ich das volle Programm fahre bzw. auf Dauer fahre. Die Rezepte im Buch will ich auf jeden Fall ausprobieren, vielleicht hilft es ja schon wenn man einen großen Teil schwieriger Stoffe raus nimmt. Klar das ist keine Expertenaussage (die sehen das anders). Die Erfahrung wird es zeigen.

Ein Erfahrungsbericht beim Kongress war sehr interessant: Sie haben von einem jungen Mann erzählt, der die Diät gemacht hat. Dann aber entschieden hat, er will nicht mehr und hat wieder begonnen all das zu essen. Er hat selbst so einen Unterschied in seiner Wahrnehmung festgestellt, dass er freiwillig wieder auf die Sachen verzichtet hat und sich danach für ihn niewieder die Frage gestellt hat.

Im Buch "Tony" schreibt Mary Callahan von ihrem Sohn - erschienen bereits 1987!! Da ist sie zufällig drauf gekommen das ihr Sohn keine Milch verträgt.

Eines sei hier auch noch erwähnt, es heißt nicht (zumindest habe ich es so verstanden), dass alle Autisten davon betroffen sind.

lg
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Re: Nahrungsmittelunverträglichkeit - Wahrnehmungsstörungen

Beitragvon Bippos Papi » Do 16. Okt 2014, 09:03

Wir haben das umgekehrte Problem: Bippo ist extremer Nahrungsspezialist. Neulich hat er das Wort "Klebekäse" erfunden. (Für alle, die wie ich nichts damit anfangen: Wenn man einen Käsetoast macht, klebt der Käse so lustig an den Brotscheiben, eben Klebekäse). Bei caseinfreier Ernährung würde er verhungern. Außerdem sind die wenigen Ausfälle, die er derzeit hat, fast zu 100 % auf Hunger zurückzuführen. Er merkt nicht, wenn er etwas zu essen braucht.
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Re: Nahrungsmittelunverträglichkeit - Wahrnehmungsstörungen

Beitragvon aurora » Do 16. Okt 2014, 09:59

Bippo ist da wie mein Mittlerer ;-) Er ist extrem heikel - am liebsten mag er Süßes und Käse, vergisst völlig aufs Essen und bekommt dann extreme Auszucker...
Letzten Sonntag ging er um10 raus in den Park um Fußball zu spielen. Um 7 abends kam er heim. Dazwischen hatte er gar nichts gegessen (er war zu Mittag kurz bei einem Freund, aber da gab es nichts, was ihm geschmeckt hätte...) und war den ganzen Tag in Bewegung... Wie er dann aber drauf war, muss ich wohl nicht beschreiben ;-)

Soweit ich es bisher mitbekommen habe, können autistische Störungen alle möglichen Ursachen haben. Bei manchen steckt vielleicht tatsächlich in erster Linie ein Nahrungsmittelproblem dahinter. Meistes ist es wahrscheinlich eine Kombination aus vielem...
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Re: Nahrungsmittelunverträglichkeit - Wahrnehmungsstörungen

Beitragvon emmi » So 23. Apr 2017, 14:30

Hallo,

es ist seit meinem letzten Kommentar viel Zeit vergangen und ich möchte unsere Geschichte erweitern..

Wir leben ca. seit Anfang 2015 komplett Milch-, soja- und glutenfrei. Die Umstellung war hart, hat sich aber ausgezahlt. Nähere Informationen findet ihr unter dem Thema "Diäten als Behandlung (CfGf, GAPS) vom kleinen Prinzen, da habe ich unseren Werdegang zur gluten-, milch- und sojafreinen Ernährung beschrieben.

Unser Sohn bildet Caseinmorphin, wenn er Milch zu sich nimmt (via Urintest nachgewiesen).

Seit der Umstellung ist er sowohl im autistischen Sein als auch kognitiv besser. Eines ist aber ganz wichtig zu erwähnen, die Kinder sind und bleiben auch nach der Umstellung Autisten. Wir haben die Ernährung in den letzten Jahren als einen ganz wichtigen Baustein erlebt. Wir hatten einmal eine dreimonatige Phase, wo unser Sohn ohne unser Wissen Milch zu sich genommen hat (ein geprüfter Wursthersteller hat seine Zutatenliste geändert :-(). In der Phase haben wir einen deutlichen Unterschied gemerkt. Ich bin in der Zeit sogar zu unserer Psychologin gegangen, damit sie ihn kognitiv testet, weil ich Sorge hatte. Die Testung war zweigeteilt. 1. Teil war noch mit Milchkonsum, 2. Teil war bereits ohne. Es war auch für die Psychologin ein Unterschied zu erkennen.

Ich kann nur allen betroffenen Mut machen, die Ernährung zu überdenken und eventl. auszuprobieren.

lg
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