Der kleine Anton

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Der kleine Anton

Beitragvon magnolie » Do 19. Jul 2018, 09:07

Hallo, ich habe nun länger nach einem Forum gesucht, in dem man sich über das Thema Wahrnehmungsstörung austauschen kann. Wir sind zwar aus Deutschland, aber ich hoffe, ich bin hier trotzdem richtig.
Bei unserem Dreijährigen, mit dem es seit zwei Jahren unglaublich schwierig war/ist, wurde im SPZ eine Wahrnehmungsschwäche "diagnostiziert" - in Anführungsstrichen, da ich gar nicht weiß, ob das überhaupt eine anerkannte Krankheit/Handicap etc. ist? Nun bekommt er erstmal Ergotherapie und ein Gespräch mit einer Kinderpsychologin steht noch aus, aber aktuell kann ich mir irgendwie gar nicht vorstellen, dass diese eine Stunde pro Woche im Bällchenbad o.ä. (ist überhaupt nicht abwertend gemeint!) alles verändern soll. Für uns hat sein Verhalten, Wesen so einen großen Einfluss auf unseren Alltag, unser Leben hat.
Bei ihm ist es wohl so, dass er wie in Watte gepackt ist und Reize nur schwer wahrnehmen kann, deshalb "provoziert" er den ganzen Tag sehr starke Reize, indem er zum Beispiel die ganze Zeit Unsinn bzw. das Gegenteil macht, seine Schwester triezt, aggressiv zu anderen Kindern ist. Wir kämpfen hier seit zwei Jahren echt einen Kampf. Aber eigentlich ist es ja gut, dass uns nun endlich jemand unterstützt. Wir waren ja bereits bei Erziehungsberatungen etc. Immer wurde uns gesagt, wir müssten konsequenter sein. Es führte zu gar nichts! Die Ergotherapeutin erklärt nun, dass wir versuchen sollen, über den Blödsinn eher hinwegzusehen und ihn im Positiven ganz stark und körperlich bestärken sollen, sodass er vielmehr versucht positive Reize zu erzielen. Also im Grunde das Gegenteil.
Na gut, ich versuche nun noch besser darauf zu achten. Aber oft bin ich auch einfach am Ende. Gestern hatte er plötzlich ein Messer in der Hand, mit dem er seine Schwester in den Kopf schneiden wollte. Oh Gott. Habe es zum Glück gerade noch verhindert. Man muss den ganzen Tag aufpassen wie ein Schießhund bei ihm. Vieles ist glaube ich ähnlich zu ADHS. Die Langeweile, die er hat, versucht er durch Aktivität auszugleichen und so steht er ständig unter Unruhe. Die Ergotherapeutin zeigte mir auch, dass er nicht mal gerade stehen kann, er ist immer in Bewegung, schwankt, stolpert, stürzt sehr oft. Seine Körperwahrnehmung ist sehr stark beeinträchtigt.
Ich frage mich immer wieder, woher das kommt. Er hatte eine schwere Geburt, war dann auch ein Notkaiserschnitt. Er hat zudem vor einigen Monaten eine Ohren-OP gebraucht, weil er auf einem Ohr kaum hörte (Paukenröhrchen auf beiden Seiten). Besteht da ein Zusammenhang? Wir haben eigentlich keinerlei Risikofaktoren, haben immer alles nach bestem Wissen und Gewissen gemacht und nun macht man sich Sorgen, dass er vielleicht sein ganzes Leben lang eine Einschränkung haben wird und nur sehr schwer Zugang zur Welt findet. Hinzu kommt natürlich, dass man von der Gesellschaft auch leicht ausgegrenzt wird mit einem solchen Kind.
Ich würde mir so sehr wünschen, mich mal mit jemandem auszutauschen, der ähnliches durchmacht. (Wobei ich natürlich weiß, dass viele Familien ein viel größeres Schicksal ereilt, so möchte ich es auch nicht darstellen, aber ja, wir lieben unseren Kleinen über alles, aber er ist für uns eine große Herausforderung!) Danke!
magnolie
 
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Registriert: Do 19. Jul 2018, 08:59

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